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Gottesbeweise in der Philosophie

In der letzten Woche haben wir uns die Beweisführung gegen Gott angesehen - in dieser Woche soll es um die andere Seite gehen. Im Laufe der Zeit gab es bereits eine Menge an Versuchen, die Existenz Gottes (sei es nun des christlichen oder irgendwelcher anderer, je nachdem, in welcher Kultur derjenige, den den Versuch antritt, eben so aufgewachsen ist) zu beweisen. Die Herangehensweisen dabei sind mannigfaltig, angefangen bei gedanklichen Experimenten von Philosophen, deren Name noch hunderte wenn nicht tausende Jahre später bekannt sind, bis hin zu den ungelenken Versuchen von Leuten, in einem Zirkelschluss die Bibel als unwiderlegbaren Beweis zu verwenden – in ihr steht schliesslich, dass sie das Wort Gottes ist, und wenn sie das Wort Gottes ist, dann muss alles wahr sein, das in ihr steht. Heute geht es los mit sechs Ansätzen aus der Philosophie. Den Anfang mache ich dabei mit einem der bekanntesten Beweisversuche…

Der ontologische Gottesbeweis

Ontologie ist das, was heute auch gerne “Metaphysik” genannt wird, ein Bereich der theoretischen Philosophie, in dem es um die Grundlagen der Realität geht. Der ontologische Gottesbeweis wurde zuerst vom Theologen Anselm von Canterbury erdacht, als er versuchte, die Existenz Gottes rein aus dem Begriff Gottes zu erschliessen. Damit ist er ein Sonderfall und steht den noch folgenden Ansätzen entgegen, da er als a priori Erklärung vollständig auf empirische Belege verzichtet und rein mit der Logik der Begrifflichkeit arbeitet.

Anselm von Canterbury definiert in seinem Gedankengang Gott als “das, worüber hinaus nichts grösseres ist”, also eine absolut vollkommene Entität, die aufgrund ihrer Definition über absolut alle (positiven) Eigenschaften verfügt. Eine denkbare positive Eigenschaft ist seiner Ansicht nach die Eigenschaft des Existierens, ein vollkommener Gott, der existiert, ist quasi vollkommener, als einer, der nicht existiert (und damit auch gar nicht erst vollkommen ist). Ein nicht existenter aber vollkommener Gott wird daher logisch ad absurdum geführt – es bleibt also nur noch, dass Gott in der Tat existiert.

Dieser Beweisversuch findet sich von Anfang an viel Kritik gegenüber – auch wenn Anselm voraussetzte, dass der Beweis nur für das Grösstdenkbare funktioniere. Der schwerwiegendste Kritikpunkt ist dabei wohl der, dass man aus der reinen Definition eines Sachverhaltes nicht auf dessen Existenz schliessen kann – der Streit um den ontologischen Gottesbeweis ist allerdings so umfangreich, dass ich ihn hier kaum ausreichend behandeln kann (wobei diese Auflistung ja aber auch ohnehin nur ein grober Überblick sein soll).

Der kosmologische Gottesbeweis

Im Gegensatz zum apriorischen Ansatz des ontologischen verfolgt der kosmologische Gottesbeweis einen aposteriorischen Ansatz, das heisst er schlussfolgert aus der Erfahrung. Kosmologische Gottesbeweise gehen davon aus, dass das Universum eine Ursache ausserhalb seiner selbst haben muss – der bekannteste Vertreter dieser Beweisführung ist Thomas von Aquin, der fünf Varianten konstruiert:

Kinesiologischer Gottesbeweis

Auch “Gottesbeweis aus der Bewegung” genannt. Die Bewegung wird durch Thomas von Aquin im philosophischen Sinne des Wechselns von einem in einen anderen Zustand verstanden – genauer gesagt das Wechseln vom Zustand der reinen Möglichkeit zum Zustand der Wirklichkeit - und da nach seinem philosophischen “Satz vom Widerspruch” Dinge nicht gleichzeitig lediglich möglich wie auch real sein können und da weiterhin jegliches Bewegtes von irgendetwas in Bewegung versetzt wurde sieht er das Universum als eine lange, kausale Kette von Dingen, die andere Dinge in Bewegung setzen, quasi “zum Existieren bewegen”.

An dieser Stelle wird Gott dann wieder zu einem Sonderfall erhoben. Da eine kausale Kette (nach THomas von Aquins Definition) nicht unendlich weit zurückreichen kann muss es einen “ersten Grund” gegeben haben, etwas, das als erstes als ein unbewegtes Etwas durch Anstossen einer Bewegung etwas anderes von der reinen Möglichkeit in die Wirklichkeit überführte. Dieses erste Etwas ist seiner Ansicht nach einfach das, was der Mensch als Gott erkennt und bezeichnet.

Kontingenzbeweis

Der Kontigenzbeweis ist eine Abwandlung des kinesiologischen, hier geht es nicht um die Bewegung als Wechsel von einem Zustand in einen anderen sondern viel mehr um das reine Existieren. In einem Gedankengang von Thomas von Aquin gibt es “kontingente” Dinge, Dinge, die zufällig und nichtnotwendig sind – dementsprechend also ebensogut einfach nicht existieren könnten oder müssten. Dass sie nun allerdings doch existieren gedingt, dass es ein aus sich heraus Existierendes gibt, das durch nichts bedingt wird und die Ursache aller kontigenten Dinge ist. Auch hier wird dieses gedankliche Konstrukt wieder als “Gott” bezeichnet.

Kausaler Gottesbeweis

In der quasi allgemeineren Variante, dem kausalen Gottesbeweis, der auf einer Idee basiert, die bereits durch Aristoteles formuliert wurde, hat einfach alles, das existiert, eine Ursache. Auch hier wird diese kausale Kette allerdings wieder durch ein “Erstes” willkürlich unterbrochen, das als Gott definiert ist – und auch hier hat man wieder die berechtigte Kritik an der Logik dieser Herangehensweise. Entweder alles ist kausal begründet, dann gibt es allerdings auch keinen Gott in dieser Reihe, oder Gott nimmt sich heraus, als einziges keine Ursache zu haben, führt damit allerdings den kompletten logischen Ansatz dieses Beweises ad absurdum.

Teleologischer Gottesbeweis

Der teleologische Gottesbeweis stützt in gewisser Weise das Gedankenkonstrukt der Intelligent Design Bewegung und des Kreationismus – nicht sonderlich viel mehr oder weniger als es auch die anderen Ansätze der Beweisführung tun könnten – aber er verfügt über eine gewisse Plakativität, die dafür einfach ganz hervorragend geeignet scheint.

Die Teleologie geht erst einmal davon aus, dass die Welt von Natur aus nicht vollkommen ist – allerdings bereits der Grad an momentan vorhandener Vollkommenheit in manchen Dingen wie auch die beobachtbare Verbesserung von Dingen einen intelligenden Lenker ausserhalb der natürlichen Welt voraussetzt. Die strengere Version des erwähnten Kreationismus geht bereits von einer perfekten Schöpfung aus, daher scheint der Ansatz, “Verbesserung”, oder “Evolution” einem Gott zuzuschreiben ein Ansatz zu sein, der dem darwinistischen Gedanken ein wenig nähertritt.

Moralischer Gottesbeweis

Zu guterletzt für heute der moralische Gottesbeweis von Kant, in dem er den Ursprung der bisher aufgeführten kausalen Ketten nicht als eine zwingend notwendige Existenz von irgendetwas annimmt sondern viel mehr zu einem blossen Konzept abstrahiert, dem “regulativen Prinzip der Vernunft”. Nach Kant ist Gott weiterführend ein “höchster Gesetzgeber der Moral” – auch dies wieder ein Ansatz, der von Gläubigen bevorzugt vereinfacht oder aus dem Kontext gerissen als vermeintlich unwiderlegbares Argument ins Feld geführt wird. Bei Kant benötigt allerdings lediglich das definierte Ziel jeglicher moralischer Bemühungen eine höchste Instanz, die ein solches Ziel überhaupt erst definieren kann – quasi ein Orientierungspunkt für den praktischen Gebrauch der Vernunft in der Realität.

So weit als erster Überblick. Am Mittwoch werde ich mir einen sehr speziellen Gedankengang und seine Konsequenzen ansehen, die “Pascalsche Wette” – Am Freitag geht es dann um diese Stimmen in mancher Leute Köpfen. ;)

Beweise für Gott – rational, irrational, irrsinnig

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