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Erfahrungen mit dem Kirchenaustritt

Im Verlauf der Woche haben wir uns Gründe für einen Austritt aus der Kirche wie auch den tatsächlichen Vorgang angesehen. Mein eigener Austritt ist schon viele Jahre her und ich erinnere mich daran, dass er problemlos und einfach vonstatten ging und bis heute keine negativen Auswirkungen mit sich brachte. Andererseits ist sowohl meine Familie als auch mein Umfeld sehr unreligiös und die meisten meiner Freunde sind Atheisten, kein Vergleich also zu möglichen Reaktionen wie die Mutter eines Bekannten, an die ich mich noch erinnere, die schon beinahe krankhaft religiös war, den Glauben zum Dreh- und Angelpunkt ihres kompletten Lebens zu machen schien und die Existenz von nicht nur Gott sondern auch dem Teufel, Engeln und Dämonen als Fakt ansah. Dementsprechend möchte ich nicht nur meine eigene Erfahrung als repräsentativ hinstellen sondern habe mich in der Zeit, die ich für diesen Post hatte, einmal umgehört und Stimmen von Kirchenaussteigern gesammelt. Natürlich ist auch das alles andere als repräsentativ, dafür konnte ich einfach nicht genügend Leute fragen. Dennoch verlasse ich mit dieser Sammlung meinen unmittelbaren Bekanntenkreis und hoffe, so gut wie möglich einen Querschnitt zu zeigen. Der grösste Anteil der Befragten schilderte einen komplett problemlosen Vorgang, ebenso wie der, an den ich mich bei meinem eigenen Austritt erinnerte. Auch die Reaktionen des Umfeldes danach reichten von vollkommen gleichgültig bis positiv.

Mein Umfeld besteht aus Leuten, die weltoffen sind. Ich habe keine Freunde, von denen ich weiss, dass sie besonders christlich sind. Dass ich aus der Kirche ausgetreten bin, hat nie irgendjemanden interessiert.

~ Christian T.

Ausgetreten bin ich, weil mir das Geld für die Kirchensteuer, das ab diesem Jahr mit dem Erreichen eines steuerpflichtigen Einkommens fällig wäre, einfach zu schade war. Der Austritt im hiesigen Rathaus war reinste Formalität und lief reibungslos und schikanenfrei – von der Gebühr abgesehen – ab.

~ Marius M.

Bin vor einigen Jahren auch ausgetreten. Das ist schnell erledigt und man bereut es nicht. Wie die meisten hier war einer der Gründe die fehlende Entscheidungsfreiheit (evangelisch von Geburt an…), sowie die Steuer. Logisch, sowas erzeugt bei den meisten Protesthaltung.

~ Anonym

Kirchenaustritt kostet in Bayern aber so um die 30€, schätze ich, was mich abgeschreckt hat. Als ich dann vor knapp 2 Jahren nach Brandenburg gezogen bin habs ich dann dort gleich nach dem Ummelden gemacht. Ging total flott, nur schnell unterschreiben und im Vergleich zu Bayern auch komplett umsonst, ich bereue es nicht.

~ Anonym

Erfreulicherweise schien auch ein Fall von Kirchenaustritt vor der Volljährigkeit ohne weitere Probleme machbar gewesen zu sein.

Austritt war einfach, Mutter mitgenommen weil die das auch Unterschreiben musste, weil ich nicht Volljährig war, zum Gericht, weil da das Einwohnermeldeamt war, 2 Unterschriften, Fertig…

~ T.

Wirklich negative Erfahrungen mit einem Kirchenaustritt schien es bei allen Gefragten nicht gegeben zu haben, sieht man von dem im letzten Artikel erwähnten Fall ab, in dem jemand überhaupt nicht erst austreten kann, da ihm sonst der Verlust seiner Arbeit als Erzieher in einem kirchlichen Kindergarten droht. Lediglich die offen zur Schau gestellte Missbilligung durch Mitbürger in kleineren Gemeinden oder Beamte scheint bisweilen mal vorzukommen:

Ich bin vor 5 jahren aus der Kirche ausgetreten, weil ich mit Religion einfach nichts anfangen kann, mit der folge das etwa 75% der Einwohner in dem Dorf auf dem ich hier Wohne mich keines Blickes mehr würdigen, was mich aber nicht besonders stört.

~ Anonym

Ich habe damals erfahren das ein großteil der Kirchensteuer genutzt wird um die Pfarrer zu bezahlen, neue Kirchen zu bauen und bestehde Kirchen intakt zu halten. Bis dahin war es mir recht egal das da eine Kirchensteuer von meinem Lohn abgeht. Ich glaube nicht an einen Gott und habe auch noch nie an einen geglaubt, warum sollte ich also Geld für die Instandhaltung von Gebäuden zahlen die ich, wenn überhaupt, eh nur besuche wenn wer stirbt (Ja, ich weiß, das klingt nun zimlich hart). Lustig war mein Austritt hier in Bayern. Die waren im Standesamt total freundlich zu mir… bis zu dem Zeitpunkt wo ich sagte das ich austreten will. Bin noch nie auf einem Amt so herablassend behaldelt worden wie dort!

~ Mike J.

Ich bin vorletztes Jahr ausgetreten, einen Tag nachdem ich meine allererste Lohnabrechnung sah: 112€ Kirchensteuer waren darauf vermerkt. Das passte mir nicht und ich stand am nächsten Tag beim Amtsgericht im dafür zuständigen Büro auf der Matte:

“Guten Tag, ich möchte gerne meinen Austritt aus der Kirche beantragen.”

“Name?” (unfreundlicher Ton)

“Bla bla bla…”

“Grund für den Austritt?” (noch unfreundlicher!)

“Das ist doch egal, oder?!”

“Ich muss hier etwas in das Formular eintragen!!!” (Anmerkung dazu: In dem Büro hingen Poster mit sakralen Motiven und Sprüchen wie “Jesus liebt auch Dich!” an den Wänden, um den Hals der Sachbearbeiterin prangte ein Kreuz)

“Okay dann schreiben Sie: Finanzielle Interessen und persönliche Gründe.”

“Das kann ich nicht schreiben, das ist kein Grund!”

Jetzt wurde es mir zu doof! Ich nahm mir das Formular einfach rüber, zückte einen Kuli und kreuzte “Konfessionswechsel” an. Hinter “Neue Konfession” schrieb ich “Jediritter”, unterschrieb den Wisch noch und ging.

~ C.A.

Bleibt lediglich noch ein Befragter, der nicht zitiert werden möchte, da er Probleme mit seinem kirchlichen Arbeitgeber befürchtet.

Wochenthema: “Austritt aus der Kirche”

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